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Sachverständigenverbände kritisieren in gemeinsamer Pressemitteilung überarbeiteten ImmoWertV-Entwurf scharf

Am 11. Februar hat eine verbandsübergreifende Initiative, bestehend aus ZIA, RICS, BIIS, gif, BVS, IVD und BDGS, eine gemeinsame kritische Stellungnahme zum Referentenentwurf der ImmoWertV 2021 des Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat (BMI) vom Juni 2020 und dem überarbeiteten Entwurf vom 1. Februar 2021 herausgegeben.

Hierin kritisieren die Verbände den Entwurf massiv. Insbesondere wurde bemängelt, dass der Entwurf die Immobilienbewertung in ein überfrachtetes Normenkorsett mit fachlich fragwürdigen Einzelvorgaben packe und in keiner Weise die eigentlichen Herausforderungen der Verkehrswertermittlung löse. Der Tenor: Letztlich werde eine marktgerechte Bewertung verhindert, da anstelle der direkten Beobachtung des Immobilienmarktes die starren, amtlichen Modelle in den Vordergrund gerückt würden. Weiter führt die Stellungnahme aus, dass der seit Anfang Februar vorliegende überarbeitete Referentenentwurf keine Lösung für den grundsätzlich falsch eingeschlagenen Weg darstelle.

Die Verbände fordern das Ministerium auf, allenfalls die im Entwurf vom Ministerium selbst als Alternative angedachte „kleine Lösung“ für die steuerliche Bewertung umzusetzen, wonach die bisherige Systematik (knappe Regelungen in der Verordnung und vertiefende Hinweise in unverbindlichen Richtlinien) beibehalten werden solle und lediglich die Bodenrichtwertermittlung in eine Verordnung zu integrieren. Des Weiteren solle zügig ein runder Tisch mit Experten aus den beteiligten Fachverbänden einberufen werden, um sinnvolle Lösungen für die tatsächlichen Herausforderungen im Bereich der Verkehrswertermittlung und deren Verordnung zu finden.

Die Experten sehen in dem vorliegenden Entwurf eine deutliche Verunsicherung sowie Unklarheiten in der Verkehrswertermittlung, da durch den angestrebten Modellzwang und die für alle Sachverständigen verbindliche Systemkonformität die Gutachterausschüsse und Katasterämter faktisch die alleinige Deutungshoheit über Verkehrswerte erlangen würden, ohne dass sie die für eine fachliche Verifikation erforderlichen Grundlagen ihrer Untersuchungen veröffentlichen müssten. Dies sei nicht Sinn einer Verordnung für eine sach- und marktgerechte Verkehrswertermittlung.

Die Meinung des Sprengnetter-Fachmanns Sebastian Drießen:

In dem überarbeiteten Entwurf der ImmoWertV 2021 vom 1. Februar 2021 ist der Verordnungsgeber durch weitere Öffnungsklauseln und durch eine striktere Trennung von Datenermittlung auf der einen und Verkehrswertermittlung auf der anderen Seite auf die Anregungen aus der ersten Beteiligungsphase eingegangen. So können nun z.B. neben oder anstelle der Daten der Gutachterausschüsse auch eigene Daten oder Daten von Dritten für die Wertermittlung verwendet werden. Für Gewerbe- bzw. Sonderimmobilien kann der aktuelle Entwurf der ImmoWertV 2021 aber weiterhin nicht uneingeschränkt angewendet werden, da hier i.d.R. die geforderte Modellkonformität nicht eingehalten werden kann. Dies ist immer nur dann möglich, wenn geeignete Daten im Sinne der ImmoWertV 2021 vorliegen. „Wir sind der Meinung, dass die Modellkonformität als Grundsatz eingeführt werden sollte und dort, wo sie möglich und sinnvoll ist, auch vorgeschrieben sein muss“, kommentiert Sprengnetter-Fachmann Sebastian Drießen.